09.01.2020
Hände weg vom Ebersberger Forst!

Mittwoch vergangnener Woche wurde das entsprechende Gutachten im Umweltausschuss des Kreistages vorgestellt („Ziel“ ist missverständlich, da der Gutachter sich dagegen ausspricht!). Das Gutachten untersuchte die Wirkung einer möglichen „Zonierung“ des Landschaftsschutzgebiets Ebersberger Forst für fünf geplante Windräder. Dieser partiellen Aushebelung des Landschaftsschutzstatus erteilte der Gutachter eine klare Absage, der Forst sei ein sehr homogenes Waldgebiet mit einem großen und vielfältigen Artenreichtum von Pflanzen und Tieren. Einzelne Stellen, an denen man Gebiete aus dem Gesamtschutzstatus mit der „Zonierung“ herauslösen könnte, um den Bau der fünf Windräder zu ermöglichen, sieht das Gutachten nicht. Damit liegt das Gutachten erfreulicherweise voll auf der seit vielen Jahren vertretenen Linie der Freien Wähler.

Die Reaktion aus Landratsamt und dem Kreis-Umweltausschuss? Die Entscheidung wird auf Januar verschoben1), ob die Planung für den Windpark eingestellt wird oder ob die weiteren Optionen gezogen werden, nämlich die Abtrennung eines ganzen Teils des Ebersberger Forst für die industrielle Windnutzung oder sogar die Aufhebung des Schutzstatus. Folgerichtig wären dann auch die von einigen Umweltschutzgruppen befürchteten 30 bis 50 Windräder(!) und somit die Zerstörung des Ebersberger Forstes als Ganzes möglich!

Aus unserer Sicht ist das leider das komplett falsche Signal, bei dem mittlerweile verzweifelten Versuch des Kreistags, die selbstgesteckten Ziele der Energiewende 2030 zu erreichen, zu der übrigens landkreisweit 33 Windräder (aktueller Stand: eines!) gehören. Auf der einen Seite einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten zu wollen, ist nur gut gemeint und aller Ehren wert, auf der anderen Seite dies aber über die teilweise Aufhebung und Zerstörung von bestehenden klimawichtigen Schutzräumen zu ermöglichen, ist einfach der falsche Weg.

Politisch diskutiert werden muss unseres Erachtens die 10H-Regelung, um generell andere Standorte wieder zu ermöglichen. Darüber hinaus besteht für jede Gemeinde schon jetzt die Möglichkeit, den Bau von Windkraftanlagen über die kommunale Bauleitplanung trotz der 10H-Regelung zu bewirken, die Akzeptanz der betroffnenen Bevölkerung vorausgesetzt.

Diskutiert werden muss auf jeden Fall der Sinn (oder Unsinn) von Windkraftanlagen in Schwachwindgebieten. Diskutiert werden muss außerdem, wie bereits jetzt bestehende temporäre Überkapazitäten bei der Erzeugung von erneuerbarer Energie sinnvoll und ressourcenschonend speicherbar gemacht werden können (Stichwort Wasserstoff, synthetische Kraftstoffe etc.) und wie diese Technologien auf breiter Front und in relativ kurzer Zeit eingeführt und genutzt werden können. Dabei muss geprüft werden, welche Alternativen sich für den Landkreis und auch betroffenen Gemeinden zu welchen Kosten und Bedingungen ergeben könnten – gegebenenfalls unter Berücksichtigung von Wasserstoff, Biomasse, sythetische Kraftstoffe, Solarenergie und Photovoltaik (im Sommer vorwiegend) und deren technischen Kombinationen, wie Kraft-Wärme-Kopplung, Wärmetauscher o.ä.

Das sind die Aufgaben der Politik, und nicht das Handanlegen an ein für Natur und Mensch höchst wertvolles Naturschutzgebiet. Der Ebersberger Forst ist nicht nur für Poing oder Ebersberg, sondern für den gesamten Landkreis und darüber hinaus ein wichtiges Naherholungsgebiet und die grüne Lunge, also: HÄNDE WEG VOM EBERSBERGER FORST!

Manfred Vodermeier
ergänzt von Thomas Feuchter

1) Kreistagsbeschluss vom 26.1.2020: Es ist geplant, nach der Kommunalwahl am 15. März weitere Planungen und den Bau von Windrädern im Ebersberger Forst von einem Votum eines Bürgerentscheids abhängig zu machen. (Dr. W. Seidelmann, 11.2.2020)